Programm und Solist*in
Léo Delibes Le roi s’amuse (Suite)
Léo Delibes, 1836 geboren, gilt als einer der bedeutendsten Bühnenkomponisten der Romantik. Sein Handwerk erlernte er unter anderem bei Adolphe Adam. Zu seinen wohl bekanntesten Werken gehören die Ballette „Coppélia“ und „Sylvia“ sowie seine Oper „Lakmé“.
Die Suite „Le roi s’amuse“ (Der König amüsiert sich) ist eine Bühnenmusik für das gleichnamige, berüchtigte Theaterstück von Victor Hugo. Ursprünglich 1832 uraufgeführt, wurde es wegen angeblicher Beleidigung des Königs sofort von der Zensur verboten. Erst 50 Jahre später wurde die Aufführung wieder erlaubt, wozu Delibes dann die Musik für die Ballszene komponierte. Die sechs Sätze sind im Stil den traditionellen Tänzen der Renaissance und des Barock angelehnt, klanglich jedoch im eleganten, melodischen Gestus der französischen Romantik verpackt.
Nino Rota Konzert für Posaune und Orchester (1966)
Nino (Giovanni) Rota, lebte von 1911 bis 1979 und ist weltweit wohl eher für seine zahlreichen Filmmusiken, denn als Komponist klassischer Musik bekannt. So steuerte er nicht nur die Musik zu sämtlichen Filmen des Regisseurs Frederico Fellini bei (u. a. „La Strada“, „La Dolce Vita“ und „8 ½“), sondern komponierte auch den weltberühmten Soundtrack zu Francis Ford Coppolas „Der Pate“. Weniger bekannt ist sein umfangreiches klassisches Werk. Neben zehn Opern, Ballett- und Bühnenkompositionen und drei Sinfonien schrieb er einige Instrumentalkonzerte, darunter auch das heute aufgeführte Posaunenkonzert. 1966 komponiert, war es dem italienischen Posaunisten und engen Freund Rotas, Bruno Ferrari gewidmet, der auch die Uraufführung 1969 bestritt. Das dreisätzige Werk im neoklassizistischen Stil zeichnet sich durch melodische Sachlichkeit und die geschickte Balance zwischen der Posaune und dem Orchester aus, wobei dem Solisten lyrische und rhythmisch elegante Fähigkeiten abverlangt werden.
Solist: Darian Keller, Berlin / Bietigheim-Bissingen
Friedrich E. Fesca Sinfonie Nr.2, D-Dur op.10
Friedrich Ernst Fesca, 1789 in Magdeburg geboren, gehört leider zu den vergessenen Komponisten der frühen Romantik. Seinen 200. Todestag nimmt die Sinfonia deshalb zum Anlass, diesen aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken und seine zweite Sinfonie ins Programm zu nehmen. Leider viel zu früh, mit nur 37 Jahren verstorben, hinterließ er ein vergleichsweise umfangreiches Oevre mit insgesamt zwei Opern, drei Sinfonien, zahlreichen Streichquartetten und Quintetten sowie etliche Lieder. So stammt u. a. die Melodie des Liedes „An der Saale hellem Strande“ aus seiner Feder.
Musikalisch bewegte sich Fesca an der Schwelle von der Wiener Klassik zur Romantik. Formell noch in der Viersätzigkeit und Sonatenhauptsatzform verhaftet, weisen jedoch die harmonischen Rückungen und die Dichte der Textur in den Mittelsätzen sowie die frühromantisch geprägte Farbigkeit der Instrumentation auf den Epochenwechsel hin. Parallelen zu seinen Zeitgenossen Spohr und Schubert sind unüberhörbar.
Aufführungstermin:
Sonntag, 22.11.2026, 18:00 Uhr Stadthalle Marbach